Wir haben ein gespaltenes Verhältnis zueinander, die Liebe und ich.
Ich liebe zuviel, zu oft und zu schnell. Ich liebe so sehr, dass die Liebe oft nicht hinterher kommt. Oder eigentlich nicht die Liebe, sondern die anderen Menschen. Die die ich liebe, oder lieben will. Die die mich leider dann irgendwie doch nicht lieben.
Als Kind bin ich sehr geliebt worden. Ich war ein Wunschkind, lang erhofft und erwartet, weil es lange nicht klappen wollte. Aber dann war ich da und alle waren verzückt. Ich war die ersten Jahre noch allein, das erste Geschwisterkind kam, da war ich 4. Bis dahin war ich die Prinzessin, vergöttert und perfekt. Davon erzählen meine Eltern noch heute. Sie waren stolz auf mich, niemand konnte mir das Wasser reichen. Auch wenn ich eher ein kleines Moppelchen war, zu viel Speck hier, zu viele Grübchen da, immer etwas zu viel gefüttert. Immer etwas übertrieben, weil sie nichts falsch machen wollten, weil mir nichts fehlen sollte. Meine Mutter ist nachts mit mir Auto gefahren damit ich schlafen konnte, weil ich so geweint habe wenn ich ruhig und alleine in meinem Bett schlafen sollte.
Mir wurden immer alle Steine aus dem Weg geräumt, mir sollte keiner etwas Böses tun, die Prinzessin sollte nicht unglücklich sein. Und ich war es auch nicht. Nur eins habe ich nie gelernt. Dass die Welt eben doch hässlich ist und nicht immer überall Liebe herrscht. Und darum haben wir ein Problem, die Liebe und ich. Weil ich zu sehr an sie glaube. Weil ich die Schattenseiten nicht sehe, nicht sehen will oder sehen kann.
Denn die Liebe ist ein Arschloch, eine kleine dreckige Hure. Sie ist nicht immer lieb und schön, sie glitzert nicht immer und macht einen glücklich. Sie kann hässlich sein, gemein und hinterhältig. Sie schleicht sich an, setzt sich im Herz fest, flüstert schöne Gedanken und Gefühle in einen hinein, aber eben nur in einen selber. Dass sie dabei übersieht, dass der gegenüber vielleicht gar nicht auch so denkt, dass übersieht sie. Und dann steht man da, hat die Gefühle gekostet aber im Herzen ist Regenwetter. Weil eine Prinzessin eben doch nicht immer alles bekommt. Und der Prinz auf dem weißen Pferd, mit der glänzenden Rüstung eben doch nur ein Arschloch in Alufolie ist.
Es ist nicht alles Liebe was glitzert und egal wie sehr man sein ein und alles geben will, nicht jeder will es auch haben. Und dann weiß man plötzlich nicht mehr wohin damit!
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